00:09
Herzlich willkommen zum SF-Krimi-Podcast. Mein Name ist Wolfram Höll. Bei mir ist die Frau, um deren leibliches Wohl ich mir große Sorgen mache, Susanne Jansson.
00:20
Hallo Wolfram. Also, wenn du in die Zukunft schaust oder jetzt gerade ganz akut?
00:26
Beides. Warum?
00:28
Man muss wissen, in der SF-Hörspielredaktion gibt es vier Hörspielredakteuren und die vier Hörspielredakteuren sind tot. Und die fünfte ist lebendig und steht vor mir. Susanne.
00:42
Jetzt mache ich mir auch ein bisschen Sorgen, weil du hast mich doch bei der, letzte Woche hast du mich doch in der Anmudi gefragt, ob ich mich zu der Gruppe Frauen oder Mörder zähle. Du hast die Kategorie Opfer gar nicht erwähnt. Zähle mich ganz eindeutig dazu. Frage mich nur, ich kann dir versprechen, wir Redakteurinnen haben nicht zusammen im Lotto gewonnen und euch das nicht erzählt. Nur hinter eurem Rücken auf dem Damen-WC angestoßen. Nein.
01:10
Das ist halt immer verschwunden.
01:12
Genau. Ich wüsste nicht, warum, was uns als Gruppe verbindet, außer jemand hast, Hörspielredakteurin.
01:18
Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Also, wir sind beim letzten Teil der fünf toten alten Damen von Hans Kohl. Vier Damen sind schon tot. Die fünfte ist noch lebendig, aber man arzt natürlich in großer...
01:32
Sie hat schon Schmerzen, genau.
01:34
Hat schon Schmerzen und überhaupt in großer Gefahr.
01:36
Wolfram, dann passiert ja genau das, was du dir von Dr. Michael Klein immer gewünscht hast, dass er endlich mal zum schützenden Bewacher wird.
01:45
Profilaktisch, genau. Ein profilaktischer Arzt, der nicht einfach nur die Krankheit heilt oder den Tod feststellt. zu spät ist, sondern nein, dass er sich darum kümmert, dass niemand krank wird oder stirbt. Er geht zur letzten überlebenden alten Dame zu Agnes, um genau zu schauen, dass sie kurz vor ihrer Abreise nach England eben nicht noch das Zeitliche gesegnet wird.
02:10
Er ist zum Glück kein alleiniger Burgwächter, sondern natürlich ist Nogi mit dabei. Und Wolfram, was passiert in Hans-Kohl-Hörspielen, wenn zwei Männer Zeit zusammen verbringen?
02:20
Sie trinken und reden über Frauen.
02:24
Und vielleicht nur über Krankheiten.
02:26
Und vielleicht nur über Krankheiten, stimmt.
02:28
Ja, du hast es gebracht.
02:30
Also, viel Vergnügen beim letzten Teil der fünf toten alten Damen. Viel Spaß.
02:42
Musik
02:56
Es war neun Uhr am Abend. Das Haus Kreuzalle Elf hob sich gegen die letzte schwache Helligkeit des Himmels ab, als sie hielt und ausstieg. Das Haus wirkte wie die Kulisse eines englischen Kriminalfilms. Erkertürmchen und glimmende Fenster. Das Tor war nicht verschlossen. Langsam ging ich über den Weg auf die schweigende Burg zu.
03:23
Es war, als müsste sich gleich die schwere Tür öffnen und Sherlock Holmes herauskommen. Mit Checkpfeife und karierter Mütze. Die richtige Umgebung für unser Vorhaben. Als ich den massiven Glockengriff in Bewegung gesetzt hatte, kam nach einer Weile Daniel Noges und öffnete. Das Licht fiel von hinten über seine Gestalt und warf seinen Schatten gegen mich. Kam in, Medizinmann. Du bist hier schon zu Hause, was? Es gibt Scotch.
03:52
Was anderes passte hier auch nicht her. Auch die Eingangshalle sah aus, als trete gleich seine Lotschaft näher, mit Backenbart und Hosenbandorten. Die Ehe in England schien allerhand eingebracht zu haben. Und nun auch noch der Toto-Gewinn? Agnes brauchte bloß zu annoncieren, und sie hatte wieder einen Mann, trotz ihrer 77 Jahre. Daniel schwenkte einen gewaltigen Türflügel zurück.
04:16
Im Hintergrund des großen Raumes sah ich das gemütlichste Kaminfeuer meines Lebens. Die Whiskyflasche auf dem flachen Rauchtisch flimmerte golden vor den Flammen. An der linken Seite saß Agnes und wandte uns ihr Gesicht zu.
04:30
Ach, Dr. Klein.
04:31
Guten Abend, Frau Nensen.
04:35
Dass Sie sich auch diese Mühe machen. So ein Aufwand wegen einer alten Frau.
04:41
Wir holen nur nach, was wir versäumt haben, Frau Lenzum. Zu Hause hätte er auch Whisky getrunken um diese Zeit.
04:46
Glauben Sie ihm nicht. Ich weiß gar nicht, was Whisky ist.
04:49
Schlimm genug. Nehmen Sie hier Platz, Herr Doktor.
04:54
Danke sehr, Frau Lenzum. Sie setzte mich neben sich, dass ich genau ins Feuer sah. Daniel bekam den Sessel rechts von mir.
05:03
Gekonnt, aber gravitätisch schenkte sie uns den Ersten ein. Wir erhoben die Gläser gegen sie.
05:11
Zum Wohle, meine Herren.
05:13
Zum Wohl, Frau Lenzum.
05:21
Ich danke Ihnen, dass Sie mir Ihre Zeit opfern.
05:25
So verliert man seine besten Patientinnen. Bleiben Sie lange weg, Frau Lenzum?
05:30
Ich weiß nicht. Ähm...
05:34
Ich weiß auch nicht, ob ich mich wieder in England einlebe. Vielleicht bin ich ganz plötzlich wieder hier, aber jetzt, jetzt muss ich fort. Alles, was hier passiert ist und diese Unruhe. Nein, ich kann nicht hierbleiben.
06:00
Drüben habe ich Frieden.
06:03
Sie verstehen das doch.
06:05
Aber ja. Was sollte Sie hier halten?
06:08
Ich habe drüben ein Haus in Sussex. Mein Mann hat es damals gekauft.
06:13
Und wer kümmert sich um das hier?
06:17
Dr. Krompecher. Er will alles regeln. Vielleicht sogar einen Mieter herbeischaffen. Ich weiß noch nicht. Ich will erst einmal fort. Ich muss erst wieder zu mir kommen, nach all dem, was...
06:34
Gehen Sie nur drüben gleich wieder in Behandlung. Sussex wird dem Herzen guttun. Aber ein Spezialist ist noch besser. Ah, da fällt mir etwas ein. Ihre Tropfen. Ich habe sie noch einmal mitgebracht. Damit Sie genug haben während der Reise.
06:48
Oh, wie nett von Ihnen. Was muss ich zahlen?
06:53
Nichts. Es ist ein Ärztemuster, das mich nichts gekostet hat. Genau die Tropfen, die Sie brauchen. Es ist für die Blumen, die ich nicht mitgebracht habe.
07:03
Dafür kriegen Sie gleich noch einen Whisky.
07:07
Danke sehr, Frau Lenz.
07:08
Übrigens, Frau Lenz, ich werde mir erlauben, einen Bericht an Ihre örtliche Polizei in Sussex zu geben. Damit die wissen, was los ist und sich ihre annehmen können, wenn etwa... Sie glauben doch nicht, dass... Nein, ich glaube es nicht. Ich bin sogar sehr froh über Ihren Entschluss.
07:28
Aber an Ihnen hängt jetzt das ganze Vermögen. Wenn jemand so weit gegangen ist, gibt er ungern auf.
07:34
Er hat recht. Vorsicht kann nicht schaden. Und auf die englische Polizei ist Verlass.
07:42
Dass mir das noch passieren muss auf meine alten Tage. Alles war so schön und in Ordnung. Und jetzt alles.
08:19
Wir saßen ziemlich ratlos da. Ein Mädchen kann man trösten, wenn es weint, aber eine alte Frau?
08:26
Wir blieben sitzen und fingerten an unseren Krawatten herum. Mir fiel nichts Besseres ein, als ihr mein Taschentuch zu geben. Sie nahm es und tupfte in ihrem alten Gesicht. Plötzlich waren ihre Tränen weg. Sie richtete sich auf.
08:40
Kommissar Noges, versprechen Sie mir, dass Sie den Mörder finden. Versprechen Sie es mir. Ich könnte nicht mehr ruhig schlafen, wenn ich wüsste, dass er ohne Strafe davon kommen soll.
08:54
Ich finde ihn schon.
08:56
Ich oder ein anderer von uns. Dieses Geld gibt er nicht aus.
09:01
Dank Ihnen, Herr Lukas. Auch Ihnen, Herr Dr. Klein. Sie haben so viel für mich getan, alle beide. Ohne Sie wäre ich vielleicht auch schon... Sie sind mir nicht böse, wenn ich jetzt schlafen gehe.
09:23
Morgen. Morgen.
09:26
muss ich fahren. Sie wissen, wo alles ist, Herr Noges. Bitte nehmen Sie sich, was Sie brauchen.
09:32
Das machen wir. Dankeschön. Ich hätte nur gern noch gesehen, wo Ihr Schlafzimmer ist.
09:37
Aber natürlich. Kommen Sie bitte mit mir. Ja. Gute Nacht, Herr Doktor. Hoffentlich wird Ihnen die Zeit nicht zu lang.
09:46
Gute Nacht, Frau Lenzum. Und gute Reise. Schlafen Sie gut.
09:51
Ich bin gleich zurück.
09:53
Vor Daniel her trippelte sie durch den Raum.
09:56
Ich verfolgte ihre Gestalt mit den Augen, bis sie durch eine Tür auf der linken Seite verschwunden war. Der Widerschein des Kaminfeuers flackerte hinter ihr her, wie hinter der Ahnfrau eines Schlosses, die am Ende der Geisterstunde unsichtbar wird. Dann war er still. Lange Zeit.
10:19
Ich bemühte mich krampfhaft, irgendein Geräusch von oben zu hören. Nichts regte sich. Sollte ich hinterhergehen? Ich schrak zusammen. Als ein schmelzendes Eisstückchen in meinem Glas mit leisem Klären umfiel, ich richtete mich auf und nahm einen großen Schluck. Als ich wieder Schritte hörte, atmete ich auf. Aber sie kamen von der anderen Seite, von rechts.
10:46
Ich erkannte die Umrisse einer dunklen Tür an der Wand. Die Klinke ging herunter, die Tür öffnete sich. Es war Daniel, der zurückkam. Wer sonst hätte kommen sollen?
10:58
Wenn einer rauf will, dann muss er hier durch, rechts oder links. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Es sei denn, es sind Geheimgänge da wie bei den alten Rittern.
11:10
Hast du dir die anderen Zimmer angesehen? Habe ich.
11:13
Habe ich nichts drin, was mich stören könnte. Im Schlafzimmer habe ich die Fensterläden verrammelt und mich umgesehen. Alles harmlos und honnett. Kann sie sich bemerkbar machen? Ja, sie hat ein Telefon am Bett. Damit kann sie runterrufen. Da drüben in der Nische steht noch ein Apparat.
11:30
Telefon am Bett?
11:32
Ja.
11:33
Was ist damit? Ah, ich dachte an Bertha Scherf.
11:40
Ich habe auch daran gedacht.
11:42
Ja, also das Ding ist umgestellt. Gespräche von außen landen hier. Ich habe ihr gesagt, sie soll gar nicht rangehen.
11:50
An alles gedacht. Brauchen wir uns nur noch, um den Whisky zu kümmern. Die Flasche hier macht es aber nicht mehr lange.
11:57
Also die war schon halbleer, als ich kam. Ich hole eine neue. Sie hat mir gezeigt, wo der Whisky steht. Willst du ein Bier?
12:04
Dem Whisky wird es nicht gefallen, aber mir.
12:07
Gut, bei der Gelegenheit werde ich mich unten noch einmal umsehen. Bleib du hier und pass auf, dass kein Gespenst auftritt.
12:13
Er ging zur hinteren Tür hinaus. Ich stocherte im Kaminfeuer herum, dann nahm ich eine Zigarette vom Tisch und räkelte mich tief in meinen Sessel. Eigentlich war die Angelegenheit ganz gemütlich und amüsant, wenn nicht blutiger Ernst dahinter gesessen hätte mit dem vierfachen Tod. Ich dachte an Mechthild und an den Kuss, den ich ihr gegeben hatte.
12:43
Vielleicht war sie wach und starrte das Telefon an. Ich schreckte hoch. Daniel stand in der Tür. Der Läufer auf der Treppe hatte seine Schritte verschluckt wie Watte.
12:56
Eure Lordschaft, die Getränke.
13:00
Du schleichst selber schon wie ein Hausgeist. Kannst du nicht klopfen? Man wird ja ganz nervös.
13:05
Entschuldige bitte, wenn ich dich geweckt habe. Hier ist das Bier. So.
13:13
Sie hat sogar ein paar Brote gemacht. Wenn du Hunger hast, dann sag es.
13:21
Ja?
13:22
Feines Hotel.
13:23
Was? Was ist denn? Entschuldige, aber wer uns so sitzen sehen könnte, Sherlock Holmes und Dr. Watson. Der selige Conan Doyle hätte seine Freude daran.
13:43
Hast du unten was gefunden? Nichts. Stiehl wie ein Friedhof der ganze Laden. Ja, auch von Friedhof. Trink lieber. Es geht los. Telefon? Nein, Haustür. Reinlassen? Was sonst?
14:03
Also, ich muss wissen, wer das ist. Ich gehe runter, bleib da oben an der Tür. Wenn was passiert, schließe ab und rufe die Polizei an. Daniel, soll ich nicht lieber... Mach, was ich dir sage. Hier den Helden zu markieren, das wäre Blödsinn.
14:16
Ich hielt die Tür einen Spalt auf und sah ihm nach. Er ging langsam die Stufen hinunter, eine Hand in der Tasche. Dann war er an der Haustür. Er zog den Riegel zurück. Meine Pulszahl stieg an.
14:27
Daniel trat hinter den rechten Türflügel, mit der linken Hand drückte er die Klinke. Knarrend ging die Tür auf. Über das dunkle Rechteck fiel das Licht der Außenbeleuchtung, eine Gestalt stand darunter, klein, dunkel, mit einem mächtigen Hut, den sie lüftete in weit ausholendem Bogen. Ich sah den Denkerschädel und das fahle Weiß des Haarkranzes, Schopenhauer.
14:47
Guten Abend. Ist es erlaubt einzutreten? Ihnen ist es erlaubt, ja.
15:03
Sehr lobenswert.
15:05
Ich schloss schnell die Tür und verließ meinen Posten, um den Anschein zu erwecken, als hätte ich die ganze Zeit uninteressiert am Kamin gesessen. Der Rektor trat durch die Tür. Ich blinzelte in seine Richtung und erhob mich.
15:18
Ah, Sie da, unser Herr Doktor. Tres faci un collegium, sehr erfreut. Welche überraschende Begegnung.
15:26
Nehmen Sie doch bitte Platz, Herr Professor. Wie ist es mit Whisky?
15:30
Frau Lensam hat mir Vollmacht erteilt.
15:32
Ja, eigentlich sollte ich keinen trinken um diese Stunde, aber in so einem Falle kann ich mir wohl eine Ausnahme gestatten. Bitte sehr.
15:41
Während Daniel noch ein Glas holte, warf ich ein paar Scheite in das Kaminfeuer, um es am Leben zu halten. Der große Raum war kühl, trotz der Juninacht ringsum. Als würde dieses Haus niemals richtig warm. Wir erhoben die Gläser.
15:55
Beim Trinken beschloss ich, mich über nichts mehr zu wundern, was auch passieren sollte. Später wunderte ich mich über alle Maßen.
16:06
Vortrefflich, ein guter Tropfen.
16:08
Original Englisch.
16:10
Tja, meine Herren, auch ich hielt es für meine Pflicht, in dieser Nacht noch einmal nach dem Hause zu sehen. Frau Lensum schläft wohl schon.
16:21
Wie geht es ihr?
16:22
Sie ist vor einer Stunde ins Bett gegangen. Sie war müde und hat morgen die Reise vor sich.
16:27
Verständlich, verständlich. Sie ist die Jüngste nicht, aber mit dem Aeroplan, da ist es wohl zu übertragen.
16:34
Aeroplan. Auch so ein Wort von 1910. Er war kaum da und schon fehlten 50 Jahre.
16:41
Sind Sie mit der Gesundheit von Frau Lenz umzufrieden, Herr Doktor?
16:44
Leidlich. Die Aufregung war ein bisschen viel für Ihr Herz.
16:48
Aber jetzt geht es.
16:49
Das zu hören freut mich. Und Herr Kommissar, haben sich neue Gesichtspunkte ergeben, wenn es nicht vermessen ist, diese Frage zu stellen?
17:00
Leider noch nicht, Herr Professor. Aber wir verfolgen alle Spuren weiter, auch wenn Frau Lenz am Fort ist. Das ist recht.
17:07
Was man nicht aufgibt, hat man nicht verloren, sagt Schiller. Trinken wir auf eine baldige Lösung dieses Falls. Vielen Dank.
17:20
hoffen wir das Beste. Aber eine Weile wird es wohl noch dauern. Gestatten Sie, dass ich der andere an sich bin.
17:27
Ich glaube nicht, dass es noch lange dauert. Wieso? Wie meinen Sie? Wir werden die Lösung heute finden. Hier in diesem Haus.
17:39
Und in dieser Nacht. Ich verstehe Sie nicht ganz, Herr Professor. Heute Nacht? Heute Nacht? Sie meinen...
17:50
Der Mörder kommt hierher. Heute noch, vor der Abreise? Er kommt nicht mehr.
17:57
Er ist schon hier. Ein paar kalte Finger strichen ganz leicht an meiner Wirbelsäule herunter. Daniel? Der Rektor? Wer noch? Ich? Alle bösen Geister standen wieder auf in meinem Bewusstsein. Auf einmal war es nicht mehr gemütlich im Zimmer.
18:17
Die finsteren Wände waren näher gerückt und ihr Geheimnis mit ihnen. Daniels Gesicht war hart und kantig geworden, als hätte eisiger Wind es gestreift.
18:26
Ich weiß nicht, was Sie damit sagen wollen, Herr Professor.
18:29
Das müssen Sie schon genauer erklären. Das werde ich, mein Freund. Freilich muss ich dazu ein wenig ausholen. Aber ich hoffe, dass ich Sie nicht langweilen werde. Nein, bitte, Herr Professor. Es war im Jahre 1910. Ich war eben 25 Jahre alt.
18:47
Ihnen wird diese Zahl nichts bedeuten, für mich aber war es ein wichtiges Jahr. Ich hatte mein Studium beendet und mein Staatsexamen bestanden und noch als Doktorand meine erste Stelle im Mädchengymnasium angetreten. Ich sollte einer der unteren Klassen zugeteilt werden, aber die Krankheit eines Kollegen brachte es mit sich, dass ich in eine obere Klasse geriet, mit Deutsch als Unterrichtsfach.
19:11
Es war schwierig, in meinem Alter als Lehrer mit 19-jährigen Mädchen umzugehen. Und es war noch schwieriger, weil sich meine eigene Schwester in dieser Klasse befand. Aber wie gesagt, es war ein Ausnahmezustand und nur vorübergehend. Ich lernte in dieser Klasse drei Freundinnen meiner Schwester kennen. Auch sie haben sie kennengelernt, Herr Dr. Klein, Jahrzehnte später.
19:38
Ich war nun einmal dorthin geraten und wollte meine Sache so gut wie möglich machen. Ich wollte gerecht sein und unparteiisch meiner Schwester wegen und ich wollte so viel wie möglich an Wissen vermitteln, denn die Mädchen standen vor dem Abitur. So nahm ich mich nach Überwindung der ersten Hemmungen dieser Klasse besonders an. Die Freundinnen meiner Schwester kamen zudem mehrfach in unser Haus, sodass ich mit ihnen noch engeren Kontakt bekam.
20:06
Ich lernte noch eine vierte kennen, die früher auf dem Gymnasium gewesen war und mit den anderen in Verbindung stand. Sie wissen, wer es war. Dorothea Lindemann. So ist es. Bald kannte ich jede einzelne sehr genau. Ihre Fähigkeiten, ihre Schwächen und ihren Charakter, soweit man ihn zu erkennen vermag. Eins von den Mädchen, von den vier Mädchen, war Klassenerster.
20:39
Aber was sie an Begabung voraus hatte, ließ sie an Wärme des Herzens, an Güte, Takt und Hilfsbereitschaft vermissen. Sie war habgierig, neidisch, egoistisch. Mit der Zeit höre ich das Urteil ihrer früheren Lehrer und sah ihre Beurteilungen. Sie war immer so gewesen, schlecht von Grund auf. Sie ist immer so geblieben, bis heute.
21:07
Ich habe keins der Mädchen aus den Augen verloren. Sie hat sich nicht geändert. Und dabei war sie eine vollendete Heuchlerin.
21:17
Sein Gesicht war eine Maske des Grimms mit starren, kalten Augen. Sein Wohlwollen war fort. Und der flackernde Schein im Kamin zauberte seltsame, böse Schatten in sein Gnomengesicht.
21:31
Als dieses Geld gewonnen wurde und meine Schwester mir von den Bedingungen erzählte, ahnte ich das Unheil. Meine Ahnung hat mich nicht betrogen. Diese Morde, meine Herren, sind von einer Frau begangen worden. Von einer Frau, deren einziger Wunsch auf Geld gerichtet war ihr Leben lang. Immer nur auf Geld, die alles hatte und nie genug. Der Glück und Leben anderer nichts bedeuteten und sie mit Neid erfüllten.
22:01
Von einer Frau, die ihren Plan über alle Hindernisse mit eiskalter Berechnung und grausamer Verschlagenheit verfolgte. Bis ans Ziel. Eine Frau, wie ich sie nie mehr kennengelernt habe. In meinem langen Leben. Eine Frau, wie Agnes Lenzon.
22:24
In der Zeit, in der ich ohne zu atmen sitzen blieb, hätte ich den Taucher-Weltrekord brechen können.
22:30
Erst als mir das Blut in den Schläfen dröhnte, zog ich eine endlose Menge Luft zwischen den Lippen ein. Wie über den Atlantischen Ozean hinweg vernahm ich Daniels Frage.
22:41
Wie hat sie es getan? Wie? Was ich davon weiß, ist Hintergrund. Aber ich habe auch über das Wie nachgedacht. Sie wollte das Geld für sich allein. Aber am Anfang sah sie keinen Weg. Vier Menschen waren viel.
23:00
Da starb meine Schwester. Ein Fingerzeig der Hölle für Sie. Ihre eigene Schwester war krank seit längerer Zeit. Ein Licht, das schon flackerte. Sie haben drei Frauen in ihrer Ruhe gestört, Kommissar Logis. Bei meiner Schwester war es die Lungenentzündung, sonst nichts. Was war es bei Jenny Herwig? Digitales. Was war es bei Frau Scherf?
23:26
Wir glauben zu wissen, was es bei ihr war.
23:29
Jemand rief sie in der Nacht an, erschoss in seinen Telefonhörer mit einer Platzpatrone und sie starb an dem Schreck.
23:36
Es passt zu ihr. Einfach, ohne Risiko. Hätte es nichts genützt, hätte sie einen anderen Weg gefunden.
23:43
Eine Woche vor dir, Michael, war sie bei Krompecher. Sie kann die Geschichte in der Zeitung gelesen haben, genau wie du. Oder schon früher.
23:52
Ich dachte an Krompechers steriles Wartezimmer und an das Gefühl, das ich gehabt hatte, als ich die Kurzgeschichte las.
23:58
Der Mörder hatte dort gesessen.
24:01
Wie ich. Nun fehlte noch Dorothea Lindemann. Mit ihr war es schwieriger. Sie war gesund, rüstig. Agnes konnte wachen, aber nicht zu lange. Sie wusste, bei Dorothea würde kein Digitalis helfen und kein Schuss ins Telefon. Hier musste anders getan werden. Agnes ging an Dorotheas Geburtstag hin zu ihr.
24:27
Gegen Mittag, wie sie sagte, hin und wieder pflegte sie die Wahrheit zu sagen. Seit vier Monaten weiß ich fast immer, wann sie das Haus verlässt. Sie erinnern sich an mein Fernrohr, Doktor? Von meinem Fenster aus kann ich dieses Haus sehen, seine Tür und wann sie jemand passiert. Es muss so gewesen sein. Sie ging hinauf zu Dorotheas Wohnung. Sie konnte ruhig riskieren, gesehen zu werden.
24:57
Dorothea ließ sie ein. Agnes musste sich beeilen und entschloss sich schnell. Sie betäubte sie durch einen Schlag auf die Schläfe. Dann stieß sie ihr die Nadel in die Brust. Alles kann in einer oder zwei Minuten geschehen sein. Sie ging hinaus, schloss die Tür. Vielleicht hat sie sogar ein paar Mal geklingelt laut und endlos.
25:22
Dann ging sie hinunter und fragte bei der alten Frau, ob oben niemand zu Hause wäre. Ich sah sie wieder nach Hause kommen, meine Herren, mit ihrem Blumenstrauß.
25:35
Oben lag sie und schlief, sechs Meter über uns.
25:39
Um halb drei kamen sie Doktor und fanden die Tote. Zu dieser Zeit verließ ich meine Wohnung. Zehn Minuten nach drei war ich da. Und dann kam Agnes zum zweiten Mal.
25:52
Mit ihrem Blumenstrauß.
25:53
Ich erinnere mich. Ich erinnere mich an Dorotheas Worte, als sie bei mir war mit der Mandelentzündung. Sie sagte, Agnes würde gegen vier kommen. Aber sie hätte sich nicht genau festgelegt.
26:05
Einfache Sache. Kein Mensch konnte merken, dass sie doch in der Wohnung war. Sie trug Handschuhe, hat keinen Abdruck hinterlassen. Und sie hat das Glück gehabt, dass niemand sie gesehen hat.
26:15
Sie hatten den Verdacht schon früh, Herr Professor?
26:18
Sie gingen zu Dr. Leopold, um sich nochmals zu vergewissern, ob Ihre Schwester nicht auch umgebracht worden wäre? Sie sagen es.
26:28
Ich wusste von Anfang an, dass Sie nicht wegen des Klavierunterrichts zu mir gekommen waren, Herr Dr. Klein. Agnes hatte mir längst erzählt, dass Sie bei Jenny den Tod festgestellt hatten.
26:41
Und bei Bertas Beerdigung erfuhr ich, dass Fräulein Mechthild ihre Sprechstundenhilfe ist und dass sie sie zu ihrer toten Tante geholt hatte. Und schließlich erzählte mir mein treuer Schüler Leopold von ihrem Besuch bei ihm. Jetzt war ich sicher, dass sie den gleichen Verdacht hatten und ich auf dem richtigen Wege war. Almas Tod war nicht gewaltsam, aber er steigerte mein Misstrauen gegen Agnes. Als Jenny starb, gab es keinen Zweifel mehr für mich. Ich war nicht aufrichtig zu Ihnen damals, Herr Professor.
27:14
Das macht nichts, mein Freund, das macht nichts. Die Sache war viel zu verschwommen, als dass man aufrichtig hätte sein können. Aber ich war froh, einen geheimen Bundesgenossen zu haben, der in gleicher Richtung dachte wie ich. Leider hat es den armen Frauen nicht geholfen.
27:30
Tja, also daran bin ich mitschuldig. Er hat mir von seinem Verdacht erzählt, als Frau Schaft gestorben war. Ich habe nichts davon gehalten.
27:39
Aber ich hätte auch niemals an Frau Lensum gedacht. Wissen Sie, was ein gerissener Verteidiger daraus macht? So einer wie Krompecher? Es sind noch mehr Erben da, Herr Professor. Sie selber, Ihr Neffe und andere.
27:55
Ich weiß, Herr Kommissar, ich weiß. Ich weiß aber auch, dass ich der Mörder nicht bin. Und unser Neffe ist es auch nicht. Das wird sich ohne Mühe beweisen lassen. Nur Agnes kann es sein. Ich irre mich nicht.
28:10
Morgen will sie fort, Herr Kommissar. Was ist folgerichtiger als das? Sie könnte hierbleiben. Sie weiß, dass es außer ihr keinen Mörder gibt. Aber sie tut so, als würde sie fliehen. Aus Wurscht. Mit 250.000 Franken. Sie kann noch eine Weile leben mit ihrem Gewissen und mit ihrem Geld. In England, wo niemand von der Geschichte weiß. Wollen Sie sie fahren lassen?
28:32
Sie wird hierbleiben, bis alles aufgeklärt ist.
28:35
Und sie kommt mit. Jetzt gleich. Meinst du, dass du einen Haftbefehl bekommst? Natürlich. Ich bin ein verdammter Narr gewesen. Schon die Digitales-Geschichte genügt, um ihr den dringenden Tatverdacht anzuhängen. Wer konnte ihrer Schwester das Zeug besser beibringen als sie? Sie, die immer wieder voll schwesterlicher Sorge nach Jenny gesehen hat. Aber manchmal läuft man eben herum wie mit einer Binde vor den Augen. Herr Professor, sind Sie bereit, Ihre Geschichte zu wiederholen?
29:04
Ihr ins Gesicht? Ihr ins Gesicht und vor jedem Gericht der Welt.
29:09
Daniel nickte langsam ein paar Mal und ging hinaus. Seine Schritte verloren sich auf der Treppe. Kein Laut mehr kam zu uns herunter. Der Rektor saß reglos, mit dem Blick in die tanzenden Flammen.
29:29
Digitales, das war es gewesen.
29:34
In der richtigen Dosierung das beste Herzmittel, das es gab. Zu viel davon und das Herz erstarrt in tödlichem Krampf, wie in einer würgenden Schlinge. Plötzlich war ich im Zimmer bei der toten Jenny. Baldrian, Medizingeruch und die stille Gestalt zwischen den hohen Kissen, die den Rosenkranz zwischen den Fingern hielt. Der Nachttisch. Die Erinnerung an meinen Traum in jeder Nacht überfiel mich wie ein blendendes Licht aus der Finsternis.
30:05
Die Flasche mit der digitalen Stinktur war leer gewesen, vollständig leer, gerade leer, als das Herz Jennys nicht mehr schlug. Es hätte Zufall sein können. Es war keiner. Der tiefe Atemzug von Agnes, als ich sagte, Jenny wäre tot. Ihre plötzliche Hast, mich loszuwerden. Ihre Kälte hinter der geheuchelten Trauer. Oh, ich war der gleiche Narr gewesen wie Daniel.
30:37
Die Tür an der rechten Seite öffnete sich ohne Geräusch. Er trat ein, als hätte ich ihn gerufen.
30:43
Sie antwortet nicht. Die Tür ist abgeschlossen.
30:46
Er ging quer durch den Raum zu der Telefonnische. Wir sahen, wie er den weißen Knopf drückte und hörten das Summen des Rufzeichens in der toten Stille. Nichts. Niemand nahm ab in dem Zimmer über uns. Daniel legte den Hörer hin und wandte sich um.
31:06
Wir brechen die Tür auf.
31:06
Ich habe mein Montiereisen draußen im Wagen. Das von Dorotheas Tür. Hol es. Im Aufstehen sah ich den Rektor an. Er hatte sich nicht bewegt. Aber jetzt war wieder das Faunlächeln in seinem Gesicht, als feierte er einen geheimen Triumph. Ich ging schnell über den Sandweg. Die Luft tat mir gut. Mein Wagen stand unter der Laterne, wie ich ihn verlassen hatte. Ich fand das Eisen in einer Minute und kehrte um. Im Salon war nichts verändert.
31:35
Daniel stand und wartete. Der Rektor hatte sich keinen Zoll bewegt.
31:39
Komm mit drauf. Ja.
31:41
Ich folgte ihm über die Treppe wie über die letzten Meter einer langen, langen Spur. Die Tür war aus dunklem, massivem Holz. Mit aller Macht überkam ich das Gefühl, das auftaucht, wenn man eine Situation schon einmal erlebt hat. Dorotheas Tür in dem stillen, heiteren Haus.
32:04
Als das Schloss nachgab und der Türflügel langsam vor uns zurückwich, blieben wir stehen. Daniel atmete schwer und fuhr sich mit dem Ärmel über die Stirn. Vor uns lag die Dunkelheit wie ein grundloser Teich. Er gab mir das Eisen in die Hand. Dann trat er in das Zimmer. Seine Hand tastete über die Tapete nach dem Lichtschalter. Die Deckenlampe flammte auf.
32:31
Das Bett stand genau vor uns. Es war breit, aber zierlich. Agnes Lenzem lag flach auf dem Rücken. Sie glich so atemberaubend ihrer Schwester, dass ich wusste, was los war, bevor wir einen Schritt getan hatten. Sie war tot. Ich fühlte nach dem Puls, vier Finger nebeneinander. Nichts.
33:02
Daniel stand vor dem Nachttisch. Ich sah, wie er ein Stück Papier aufhob. Er las es. Ich sah ungeheure Verblüffung in seinem Gesicht. Dann reichte er den Zettel über die tote Agnes zu mir. Die Worte waren mit Bleistift geschrieben, mit brüchiger Schrift, voller Hast. Walter hat recht. Ich hasse ihn. Mein Blick begegnete Daniels Augen.
33:32
Wir mussten uns sehr ähnlich sehen in diesem Augenblick.
33:35
Verstehst du, wieso?
33:39
Daniel fuhr blitzschnell herum. Er hatte die Pistole in der Hand. Niemand war im Zimmer. Niemand außer uns und der Toten. Dann zog sich mein Zwerchfell zusammen und wurde zu einer harten Platte aus Eis.
33:53
Nun, meine Herren, zweifeln Sie noch an meiner Geschichte?
33:58
Es war ein höllischer Spuk. Der Professor war nicht da und sprach. Ich fühlte feine, feuchte Perlen auf meiner Haut. Daniel hielt die Pistole auf die Tür gerichtet. Seine Augen waren ratlos. Dann kamen leichte Schritte näher auf dem Flur. In der Tür erschien der Rektor, wie Schopenhauer, wie ein Mensch, der jedes Problem lösen kann. Er sah uns und die Waffe in Daniels Hand. Langsam kam er näher. Am Fußende des Bettes blieb er stehen.
34:29
Jetzt sieht sie wieder aus wie vor langer Zeit. Sie wundern sich, Herr Kommissar.
34:35
Ja.
34:35
Das Rätsel ist leicht gelöst. Sie haben mich von unten sprechen hören. Auch Agnes konnte jedes unserer Worte verstehen. Der Lautsprecher ist hier.
34:45
Er kam herüber auf meine Seite. Seine Hand fasste hinter die Bespannung, die das Kopfbrett des Bettes überzog. Eine runde Metalldose an zwei Drähten.
34:53
Das Mikrofon ist unten in der Kaminuhr.
34:56
Es ist auch eins im Mädchenzimmer und eins in der Küche. Agnes war misstrauisch. Ihr schlechtes Gewissen zwang sie dazu. Sie wollte hören, was in ihrem Haus gesprochen wurde. Jedes Wort. Deswegen hat sie sich diese Anlage bauen lassen. Niemand wusste etwas davon. Und woher haben Sie? Ein Schüler, meine Freunde. Einer meiner treuen Schüler. Er war ausgezeichnet in den mathematischen Fächern.
35:22
Er hat heute ein großes Elektrogeschäft. Er baute ihr diese Anlage. Vor einem alten Lehrer hat man keine Geheimnisse. Ich wusste, dass meine Geschichte schwer zu beweisen ist. Ich wusste aber auch, dass sie in der letzten Nacht bestimmt zuhören würde, was sie unten sprechen, um zu erfahren, ob irgendein Verdacht gegen sie besteht. Deswegen bin ich gekommen. Ich habe meine Geschichte erzählt, laut und deutlich. Sie mögen mich verurteilen.
35:52
Ihr Tod ist der Beweis, der uns fehlte.
35:55
Langsam taute die Eisplatte in meinem Körper. Sehr langsam. Daniel drehte sich um, er griff zur Nachttischplatte. Seine Finger hielten zwei kleine Flaschen, sie waren beide leer. Digitales Tropfen. Eine der Flaschen war ganz neu. Das rote Papier, das die Kappe verschloss, lag auf dem Nachttisch. Es war die Flasche, die ich mitgebracht hatte für die Reise.
36:22
Auf dem Nachttisch stand noch ein leeres Wasserglas mit einem dünnen, bräunlichen Bodensatz. Und daneben das Bild. Querformat und Silberrahmen. Fünf Mädchen aus einer Klasse. Fünf Gräber auf einem Friedhof. Daniel stellte die Flaschen zurück. Er hob langsam den Hörer des Telefons ab. Er betrachtete ihn schweigend.
36:52
Dann hielt er ihn plötzlich zu mir hinüber.
36:55
Michael?
36:56
Ja? Schau doch. Ich verstand ihn nicht. Er klopfte auf den Sprechtrichter. Dann sah auch ich es. Der Apparat war ein altes Modell mit großem Gehäuse und vernickelter Wählscheibe. Der Hörer war abgegriffen und matt. Aber der Sprechtrichter glänzte und kein Riss durchzog die Lackschicht.
37:18
Neu. Deine Geschichte stimmt.
37:21
Sie hat einen neuen Trichter gebraucht. Der Alte ist kaputt gegangen, als sie hineinschoss und Bertha ermordete.
37:28
Mit einer schnellen Bewegung zog er die Schublade auf. Wir alle sahen den kleinen Revolver auf seiner Handfläche, ein blinkendes, niedliches Spielzeug. Die Trommel klickte leise, als Daniel sie drehte. Nacheinander fielen die blinden Hülsen heraus, bis auf eine. Eine saß fest. Sie war abgeschossen und klemmte.
37:49
Das konnte nur Agnes einfallen. Eingefallen ist es einem anderen. Aber sie fand es gut. Ich bin in Ihrer Schuld, Herr Professor. Sie haben meine Arbeit getan.
38:01
Ja, danken Sie mir nicht. Ich weiß noch nicht, ob ich recht gehandelt habe. Aber vielleicht ist es das Beste so. Sie hat Ihren Frieden. Wir sind nicht Ihre Richter. Und jetzt darf ich wohl gehen, Herr Kommissar.
38:19
Gute Nacht, meine Herren. Gute Nacht. Gute Nacht, Herr Professor. Bald wird es wieder hell.
38:25
Wir folgten dem alten Mann. Vor der Tür wandte er sich um und schwenkte seinen Hut im Halbkreis gegen uns. Sein Haar leuchtete fahl. Dann verschwand er im Dunkel, wie ein schweifender Geisterfürst, den die Nacht freigelassen hatte für sein Rachewerk und den sie nun wieder verschluckte.
38:48
Wir kehrten ins Wohnzimmer zurück. Im Kamin glühten noch einige Scheite. Dunkelrot. Daniel sah sehr müde aus.
38:59
Hut ab vor einem alten Rektor. Trinkst du noch einen mit?
39:04
Gleich. Nur mal telefonieren.
39:08
Mächtig? Willst du ihr erzählen, wie ihr Tante gestorben ist? Nein. Nein.
39:24
Hallo, hallo. Ich bin es. Alles in Ordnung, Mechthild. Der Fall ist erledigt.
39:29
Erledigt? Habt ihr denn den...
39:32
Es gibt keinen Mörder mehr. Morgen erzähle ich dir alles.
39:34
Ja. Morgen ist aber Sonntag.
39:38
Montag. Es ist nach null Uhr, meine Dame. Und was ich noch sagen wollte. Es kommt nun doch so, dass Sie allerhand erben. Sie brauchen nicht mehr zu arbeiten. Ich... Ich suche mir eine andere...
39:56
Wenn du willst, kannst du natürlich bei mir bleiben. Ohne Gehalt selbstverständlich. Du hast ja jetzt genug Geld.
40:02
Geizkragen.
40:06
Ich bleibe ohne Gehalt.
40:08
Morgen ist doch erst Sonntag, stimmt's?
40:10
Ja. Also?
40:14
Bis morgen. Habe ich dir nicht gesagt, dass du heiratest, wenn die letzte alte Dame tot ist? Jawohl. Ja. Ja.
40:23
Trau Zeuge. Komm morgen Abend. Sie wird auch da sein. Gut. Und jetzt kann ich wohl ins Bett gehen, was? Ja, das kannst du. Den Rest mache ich allein. Und ich halte ja noch seinen schönen Vortrag über Digitales. Und bringe ihr was mit, damit sie genug hat.
40:40
Also, mach dir keine Gedanken. Der Alte hat recht. Es ist das Beste. Für Sie und für uns.
40:47
Oh, hier. Das Horoskop. Na? Ihr Eingreifen löst manches Problem.
40:53
Alles gelingt, nur Herzenssachen nicht. Ehewünsche müssen Sie zurückstellen. Quatsch. Kauf dir eine andere Zeitung. Heißt du, was dagegen, Daniel, wenn ich mir das Bild mitnehme? Das vom Nachtisch? Zur Erinnerung an... an alles.
41:16
Nimm's mit.
41:18
Ich ging noch einmal hinauf und nahm behutsam das Bild aus dem Rahmen.
41:22
Hinter vier Namen auf der Rückseite war ein Kreuz. Nichts hatte sie vergessen. Dann sah ich sie noch einmal an. So war sie mir ins Gegengekommen, damals, in Jennys Wohnung. Das Haar weiß und glänzend und sauber hochgesteckt wie eine gepflegte Perücke. Eine Haut wie Marzipan, kaum ein Fältchen darin. Ein mildes, wohlwollendes Gesicht voller Hoheit.
41:52
Ein Gesicht, in dessen Gegenwart man sich schämen musste, einen bösen Gedanken zu denken. Eine Frau, die man nur zu sehen brauchte, um sie sich als Großmutter zu wünschen. Eine Frau, die es gar nicht mehr gab in unserer Zeit. Wirklich die reizendste alte Dame, die ich jemals gesehen hatte.
42:36
Wolfram, bevor ich gleich mit dir über die Täterin sprechen möchte, wie findest du denn die Auflösung? Es ist ja jetzt am Ende in ihrem Haus, fließen ja alle Fäden zusammen und wir finden dort nicht nur Motiv, sondern auch Werkzeug und Charakter der Mörderin. Ist das für dich alles so aufgegangen?
43:02
Ein Stück weit ja. Also ich habe schon gedacht, dass Agnes die Mörderin ist.
43:08
Okay, das merke ich mir mal für nachher. Frage ich dich nochmal nach, wenn wir über sie sprechen.
43:13
Deswegen hat es für mich durchaus funktioniert. Ich fand überraschend, aber gut, dass der Professor uns quasi die ganze Erklärung gibt. Also nach der Frage, wie stellt man da oder wie kommt jetzt die Enthüllung zustande?
43:33
Nicht so ganz sicher bin ich, dass man sich einfach schon immer so als Charakter, als eigentlich abgrundtief bösen Menschen darstellt. Das finde ich etwas schwierig, schon aus der frühesten Jugend bis heute. Ich habe wirklich eine böse Frau und vielleicht sind die anderen ja mit ihr befreundet geblieben, wirkt es so über all die Jahrzehnte. Das finde ich etwas schwierig.
43:54
Der Richterspruch, also gibt ja dann den Selbstmord, technisch vermittelt durch diese Abhöranlage, die da eigentlich geschieht. Die fand ich einerseits überraschend. Jetzt, da ich nun schon ein treuer Hörer des Hans Kruhl Hörspiel Universe bin, fand ich es auch wieder okay. Es gab ja auch bei der letzten Visite, war doch auch mal ganz wichtig, dass man jemand in der Radiografie, glaube ich, drin ist, jemand draußen und dann hört man mit oder nicht und drückt aus, sondern auf den Knopf.
44:28
Mich hat es sehr daran erinnert, an dieses kleine Plotmittel. Deswegen fand ich das okay so. Ich habe es akzeptiert, aber es kam natürlich schon ein bisschen aus dem Nichts. Ich hätte es auch gar nicht mehr gebraucht. Ich hätte gedacht, okay, die hat einfach so das mitgehört, also gelauscht und mitgehört. Deswegen, diese technische Vermittlung hätte ich jetzt nicht unbedingt nötig gehabt. Ich finde tatsächlich, trotzdem etwas schwierig in der Auflösung, dass man sagt, naja, sie hat sich halt selbst umgebracht. Das ist ja für uns jetzt einfacher, man muss nicht noch groß ermitteln und der Richter muss sich auch nichts machen und es ist wieder Gerechtigkeit hergestellt.
45:05
Das finde ich jetzt halt, ja, etwas schwierig und gut, heute gibt es zumindest in Europa zum Glück auch keine Todesstrafe mehr. Ja, ich finde das Eine sehr praktische Abkürzung für alle Beteiligten, die mir fast zu praktisch ist und zu viele Fragen zur Seite schiebt.
45:24
Okay, das Heilende. Wir machen einfach die Decke drüber und feiern Hochzeit, wie quasi jeder Hollywood-Film endet. Das findest du unbefriedigend.
45:33
Also ich hätte jetzt lieber da eine Verhaftung und Gefängnis. Das finde ich jetzt korrekter gefunden.
45:39
Lass uns mal gleich über Agnes sprechen. Ich finde, Professor Wiebach, wie alt ist der denn? Also natürlich ist er von der Stimme her, ich weiß, aber ich meine, alle Damen, die bis jetzt aufgetreten sind, gerade jetzt Agnes ist auch noch mal wahnsinnig gebrechlich und wenn er sie unterrichtet hat, muss er ja noch mal noch ein paar Jahre älter sein.
45:59
Ja, ich glaube, er war 25, 19, er musste sechs Jahre älter sein. Aber stimmt, er sollte nicht da so die Beschreibung von ihm mit dem fahlen Haar und dieser unglaublichen Mähne
46:09
Hat sich halt gut gehalten, er weiß es ja.
46:11
Ja, aber die trifft, das stimmt schon, die trifft nicht ganz überein mit dem, wie dann der Sprecher auftritt.
46:16
Ja. Und dieses, ich finde auch, wie sich Hans Kruhl bemüht hat, ich finde, es ist auch gelungen, aber das ist ja quasi, die letzte Folge ist ja quasi in Echtzeit erzählt und du hast als Setting, und das wird von ihm auch so aufgebaut, dieses viktorianisch anmutende Spukhausen.
46:34
Schloss, sagen wir mal Schlossburg, einfach so mitten in Deutschland.
46:37
Genau, und es wird ja viel damit gearbeitet, wer kommt und Schritte und sowas. Also wir haben so ein bisschen die Moment Gänsehaut und es erbaut sehr auf Spannung, was die anderen ja mit... so einer Gemütlichkeit, wie wir beschrieben haben, und Zuversicht ins Leben und mit diesen Späßchen, das ein bisschen abhebt. Aber es fällt für mich nicht ab. Das ist schon, finde ich, funktioniert ganz gut.
46:59
Und doch eigentlich wieder ein schönes Spiel mit der Erwartung, dass diese Spannung so aufgebaut wird. Und eigentlich wird dir dann nur eine Geschichte erzählt, wenn auch eine schaurige.
47:10
Zu Agnes, ja, also das Motiv ist klar, trotzdem ist das für mich ein bisschen verwunderlich. Also sie hat das Haus und sie ist nun im fortgeschrittenen Alter, trotzdem tötet sie Freundin, kann man mal noch fragen, was war das wirklich für Freundin oder was für eine Zwangsgemeinschaft war das, tötet sie sie wegen Geld.
47:30
Ich finde das, glaube ich, eben genau nicht wegen Geld. Das finde ich wiederum gut in der Charakterzeichnung, weil sie quasi sonst niemandem etwas gönnen kann. Es geht gar nicht um das Geld. Es geht wirklich einfach nur darum, nichts zu teilen, den anderen nichts Gutes zu Gute kommen lassen. Und da wird einfach zu sehr drastischen Mitteln gegriffen. Aber das finde ich, das ist eigentlich einerseits überraschend, aber auch total einleuchtende Charakterzeichnung.
47:56
Wir haben halt nur Professor Wiebachs Wort.
47:58
Das stimmt allerdings auch, ja.
48:19
Als unser Doktor und geht mit Agnes, im Nachhinein merkt man schon, sehr souverän und auch ein bisschen kühl um. Ich glaube, das sagt unser Doktor auch mal an einer Stelle, er konfrontierte sie mit dem Tod so hart, das war ziemlich grob.
48:37
Ja, also für ihn ist der ganze Plan, finde ich, ein bisschen zu Mastermind-mäßig ausgeführt. Ich setze mich unten hin, ich weiß von dieser Abhöranlage und ich weiß, dass meine Erzählung sie in den Tod treiben wird.
48:51
Ich hatte da tatsächlich sogar noch einen Zweifel, genau, weil da so Mastermind-mäßig rüberkommt, wo ich noch kurz dachte, A, ist vielleicht doch der Professor eigentlich der Mörder. Eben auch, das ist ja vor uns angetönt, weil die ganzen Beweise dann so wunderbar, also fast schon mit, man kann sich fast leuchtende Pfeile vorstellen, die zu jedem Beweis dann führen, oben in ihrem Zimmer von Agnes. Also hinten auf dem Foto ist ein feines Kreuzen für jede, die sich schon erwischt hat. Der kleine Revolver ist da. Es gibt eine neue Hörmuschel am Telefonapparat.
49:23
Es wirkt wie so ein wunderbar inszeniertes Bühnenbild, um den Mordverdacht wirklich zu bekräftigen.
49:31
Deswegen hätte ich auch kurz gedacht, ah, ist doch der Professor hinter allem.
49:34
Hätte er alles arrangieren können.
49:37
Also du und der Welt des Krimis. Das kann mich nichts fern.
49:43
Kriegt der was von dem Gewinn? Weil es geht doch an die Angehörigen.
49:47
Mit dem letzten Telefonat wird es natürlich eher dargestellt, als ob alles an Mechthild geht. Deswegen würde er nicht profitieren.
49:57
Und ich glaube, damit es wirklich der Professor sein könnte, dann bräuchte ich auch bei ihm, glaube ich, eine andere Begründung, die irgendwie mit dieser Schulzeit zu tun hat und mit den Jahrzehnten danach. Dass er vielleicht dann doch sich in jede alte Dame mal verliebt hat, bis auf seine Schwester und abgewiesen worden ist oder was auch immer. Aber dann würden nur 50.000 nicht reichen.
50:18
Da muss jetzt einfach dieser junge Arzt nochmal kommen, der Schüler bei ihm war und zu unserem Dr. Michael Klein sagen, Ja, das ist ja der Mega, der spielt ja ständig Roulette, der hat ja Schulden ohne Ende. Also so ein Motiv könnte dann auch noch sein. Auch noch kommen. Out of the blue kommen. Aber nein, wir haben unsere Täterin. Diese Freundschaft, wie, du sagst, das macht dir ein Fragezeichen, aber hast du auch eine Begründung? Ist das jetzt einfach nur der dramaturgische Kniff, der dann am Schluss das ganze Bild ein bisschen klappern lässt, dass dieses Foto, was ja so wichtig ist und diese Freundschaft auseinanderreißt?
50:52
Oder wie könnten diese fünf denn wirklich zueinander stehen, wenn wir mal unterstellen, dass Agnes so eine Bitch-Biatsch wirklich ist?
51:01
Da fehlen mir die Brüsselteile, muss ich jetzt wirklich sagen.
51:05
Ich komme ein bisschen über die Schulzeit, natürlich, sie war schon immer so, aber...
51:08
Die hat sich halt immer rangehängt. Das könnte man sich noch vorstellen, oder? Also ich meine, ihre Schwester war ja Teil des Kreises und vielleicht waren die anderen Lämmchen. Und sie hat sich dann immer mit aufs Foto geschmuggelt. So wie Trump bei der Schnatzen.
51:24
Nein, bestimmt schon. Natürlich, die anderen vier waren jetzt wirklich so eine total Freundschaft fürs Leben, eine richtige Band. Wissen wir ja nicht so richtig. So Frauengänge. Und sie ist einfach mitgegangen. Und eigentlich hat sie immer gespürt, dass es nicht dazugehört. Und das ist dann ihre späte Rache dafür.
51:37
Ja, die Kreuze waren schon vorher auf dem Foto. Aber wie die anderen zueinander standen, wissen wir jetzt auch nicht. Wahrscheinlich war alles steifes Kaffeetrinken. So wie Jubiläen. Nein, ich würde es gar nicht klein machen. Entschuldige, das Bild gefällt mir auch besser, dass die wirklich...
51:53
Ich glaube, man kann auch beim Kaffee trinken wild und lebhaft zugehen.
51:59
So, jetzt ist unsere kleine Mächtet auf einmal wirklich ganz groß, weil sie ist stinkreich. Und was passiert?
52:06
Sie heiratet. Aber aus freien Stücken.
52:10
Was eigentlich Schönes, oder?
52:12
Ja, arbeiten darf sie nicht mehr, obwohl sie sagt, sie kommt trotzdem wieder.
52:15
Genau. Aber sie muss jetzt einfach nur den Doktor Klein heiraten. Des sozialen Aufstiegswillen mit ein bisschen Romantik gewürzen. Jetzt kann sie aus freien Stücken sagen, das ist mein Mann fürs Leben.
52:28
Ich finde, das ist schön entwickelt über die Folgen, weil das Motiv, dass er, das ist ein bisschen abstruse, aber wir haben ja nicht so viele Personen, die auftreten, deswegen ist es schön, wenn jeder mal in Verdacht gerät, dass er mordet, um an das Erbe ranzukommen und auch die Mittel als Arzt dazu hätte.
52:44
schwebte ja trotzdem noch so mit und machte diese Annäherung zwischen ihnen wirklich ein bisschen shady. Und das hat es aber irgendwie mit diesem Kuss am Ende von Teil 4, was für mich ja eine Verlobung war, schön jetzt zu einem Ende geführt, zu einer glaubhaften Liebesheit.
53:02
Das stimmt.
53:03
Die Liebesheirat ist wirklich glaubhaft. Ich muss sagen, sonst genau die Strecke. Dazwischen finde ich noch etwas schwierig, wenn da unser Dr. Klein mit No Guess da. Also ich meine, die Tote legt nach oben. Man wartet auf den Gerichtsmediziner. Säuft einfach weiter. Macht schon wieder lauter blöde Sprüche. Also er hat schon noch so etwas Flapsiges und Noschalautes.
53:32
Du lachst, Hans Kohl hat bestimmt auch gelacht.
53:34
Stimmt, dann eigentlich alles richtig gemacht hat ja anscheinend funktioniert. Ja, also da kommt auf jeden Fall all das. Ich hatte ja gesagt vor der vierten Folge, jetzt wurde es ein bisschen düsterer, konnte mir nicht so viele lustige Sprüche mehr aufschreiben. Alles aufgestaut, da kommt jetzt am Schluss wieder raus.
53:49
Aber dann in seiner Art auch geschickt gemacht, indem wir eben so ein Spukschloss gehen und wirklich in so eine Sherlock-Holmes-Welt fiktional abtauchen. Gehen wir jetzt nicht wirklich tief in die Niederung des Menschseins, wo es wirklich Schmerz und Weh gibt, sondern wir können relativ schnell wieder ins seichte Wasser hochtauchen. Dann doch in dem Sinne gut geschrieben. Gehst mit einem guten Gefühl raus, obwohl es viele, viele Leichen gibt.
54:15
Das stimmt. Und ich erahne sogar etwas Selbstreflexion. Er beschreibt ja dann noch die Agnes in mehreren Sätzen. Also unter anderem die Haut wie Marzipan, kein Fältchen darin. Hatte ich übrigens auch überlegt, als Einleitung über dich zu sagen. Ja.
54:29
Leier, Leier.
54:31
Aber er sagt doch, eine Frau, die man nur zu sehen braucht, um sie sich als Großmutter zu wünschen. Eine Frau, die es gar nicht mehr gab in unserer Zeit. Eben 1968, eigentlich eine andere Zeit. Und das ist doch gewisse Reflexion, Bewusstsein darüber, was er da eigentlich alles für Figuren nochmal auferstehen lässt.
54:49
Aber das ist schön, dass du das nochmal zitierst, weil das war ja auch sein Eindruck. Er hat sie ja auch geschildert.
54:55
Beim ersten Treffen, als die Schwester gestorben ist, beschreibt er sie, eine Frau ist aus einer anderen Zeit, im schwarzen Kleid und die weiße Bluse. Und da hat man das Gefühl, es ist sowas wehleidiges. Und jetzt mit dem Wissen darum, was sie getan hat und wie, ist es vielleicht auch ein Abschied nehmen von der Zeit, weil es ist auch mal gut, dass es dann vorbei ist. Jetzt kann man was Neues aufbrechen. Jetzt kommen die Kinder, Wolfram.
55:18
Das stimmt.
55:21
Mit einem Bomber möchte ich gern trotzdem noch schließen. Was mir gefallen hat, einfach das Horoskop in dieser Folge.
55:28
Da haben wir gar nicht drüber gesprochen, wie Horoskope gelesen werden.
55:31
Genau, aber er liest ja sein Horoskop und da kommt ihm bitte keine Heiratspläne machen und so. Und vor allem, alles gelingt nur Herzenssachen nicht. Das wäre natürlich schon schön, weil die Liebe zu Mechthildas, aber auch Agnes, ja, an einer Überdosis an Herzmitteldigitales stirbt. Ja. Bisschen makabrer Humor, aber finde ich dann doch irgendwie wieder alles schön zugemacht. Ja.
55:55
Gut. So, wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft und uns auch, oder? Im Krimi-Podcast.
56:02
Immer. Immer. Und machen einen Sprung etwas in die Zukunft. Nicht gerade in die Gegenwart, aber doch gut 30 Jahre nach vorne. Hörspiel aus den 90er Jahren hören wir beim nächsten Mal. Eigentlich eine gewisse Seltenheit haben wir nicht so oft im Krimi-Podcast. Das war eher so eine Krimi-Durchstrecke jetzt vielleicht.
56:18
Ich weiß nicht, was Sie Anfang der 90er gemacht haben, was Sie da aufzuarbeiten hatten. Müsste man mal recherchieren, warum es da ein Krimi-Loch gibt.
56:25
Gut. Bis zum nächsten Mord. Macht's gut.
56:40
Das war ein Podcast von SRF.
56:42
Produziert im Auftrag der SRG.